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Spezialität des Nordens
Mit 5700 t werden in Niedersachsen 31 Prozent der deutschen Grünkohlproduktion erzeugt. Allein in Weser - Ems liegen 12 Prozent der Anbauflächen (BRD 1000 ha, Weser Ems 120 ha). Je nach Region wird Grünkohl auch als Braun-, Blatt-, Pflück-, Kraus- oder Winterkohl bezeichnet. Im Oldenburger Gebiet heißt er neben Grünkohl auch liebevoll "Oldenburger Palme", um Bremen "Braunkohl" (bedingt durch die früher angebauten Sorten, die sich während des Kochens bräunlich verfärbten). Mit den ersten Nachtfrösten beginnt traditionell die Grünkohlzeit: Tiefe Temperaturen bewirken die Umwandlung von Stärke in Zucker, der dem Kohl seinen begehrten Geschmack verleiht.
Etwas Botanik muss sein
Grünkohl mit der botanischen Bezeichnung Brassica oleracea L. stammt ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet und den Westküsten Europas. Er gehört wohl zu den ältesten Kulturpflanzen. Seine Ansprüche an Klima und Boden sind weitaus geringer, als bei den anderen Kohlarten. Auch verträgt er viel mehr Frost als diese, sortenabhängig minus 10 bis minus 15 Grad C. Das ist auch der Grund, dass in normalen Wintern bis in den März hinein geerntet werden kann. Grünkohl ist ein schnellwüchsiger Blattkohl, der im ersten Jahr einen Spross mit einer oben offenen Blattrosette bildet. Erst im zweiten Jahr blüht er; er ist also zweijährig. Blattfarbe und Kräuselung variieren sortenabhängig. Je nach Länge des Strunkes (Spross) unterscheidet man niedrige, halb hohe und hohe Sorten. Für den Frischmarkt werden bevorzugt halb hohe, stark gekrauste Sorten angebaut, insbesondere solche, die nicht zum Vergilben und Abwerfen der unteren Blätter neigen. Frosthärte, hoher Blattanteil und möglichst leichtes Rupfen bei Handernte sind weitere wichtige Eigenschaften für die Verarbeitungsindustrie.
Anbau
Jungpflanzen werden ab Mai im Freiland angezogen, wobei 200 qm ausreichen, um später 1 ha bestellen zu können. Ende Juni oder später - zumeist nach einer gemüsebaulichen oder landwirtschaftlichen Vorkultur (Wintergerste) - erfolgt die maschinelle Pflanzung (40 x 60 bzw. 40 x 80 cm Abstand, Ziel: spätere Ernte für den Frischmarkt). Bei der Erzeugung für den Industrieanbau wird enger gepflanzt. Bis zum 20. Juli kann auch direkt mit einer Einzelkornsämaschine ausgesät werden, der Reihenabstand beträgt hier 45 bis 50 cm, wobei in der Reihe alle 8 bis 10 cm ein Korn abgelegt wird. Das Ernteprodukt wird dann später weiter verarbeitet. Auf eine sorgfältige Vorbereitung der Pflanzfläche wird besonders geachtet. Böden mit guter Struktur und Wasserführung sowie pH-Werten über pH 6 sind gut geeignet, auch leichtere Böden, wobei allerdings auf den schwereren Böden die höchsten Erträge erzielt werden. Die Stickstoffdüngung erfolgt in zwei Gaben, der Entzug liegt bei 70 kg N/ha. Unkraut wird durch zwei bis dreimaliges Hacken (mechanisch) kurzgehalten -aber auch chemische Verfahren werden angewendet. Nur in Ausnahmefällen wird nach der Pflanzung und während Trockenperioden zusätzlich bewässert.
Ernte
Neben der Frischvermarktung (Hauptabsatz: Dezember bis Februar) wird Grünkohl auch für die Tiefkühl- und Nasskonservenindustrie verarbeitet. Besonders um Langförden finden wir einen Anbauschwerpunkt für Grünkohl, da sich der Erzeugergroßmarkt Langförden Oldenburg (ELO) auf die Weiterverarbeitung in der Frosterei spezialisiert hat und jährlich etwa 1600 t verarbeitet. Der Anteil tiefgekühlter Ware im Markt nimmt ständig zu; küchenfertig zubereiteter Grünkohl in Beuteln steht hoch in der Gunst der Verbraucher. Um eine kontinuierliche Beschickung der Frostung zu gewährleisten und Erntespitzen zu brechen, wird erster Kohl bereits Anfang September überwiegend von Hand gerupft. Für den Frischmarkt werden handgeschnittene Blattschopfe (Strunk mit Blättern) und Blattware sowie Rupfware, bei der die Blattrippen nicht mehr vorhanden sind, in Beuteln angeboten. Für die Verarbeitung (Frostung) gelangt Ware in loser Schüttung zur Frostung.
Qualitätskontrolle
Für bedeutende gemüse- und obstbauliche Produkte bestehen in der EG-Qualitätsnormen, die in allen Mitgliedsstaaten auf allen Handelsebenen eingehalten werden müssen. In der Bundesrepublik kommen die sogenannten Handelsklassen für weitere Produkte hinzu. Hier sind jeweils die Mindesteigenschaften, denen ein Produkt entsprechen muss, und je nach Qualität die Klassenkriterien aufgeführt. Obwohl überwiegend äußere Merkmale angesprochen werden - eine häufig geäußerte Kritik - ist davon auszugehen, dass gerade gutentwickelte, ausgereifte Produkte absolut gesund sind und alle wertgebenden Inhaltsstoffe enthalten. Bei den Kohlarten bestehen EG-Normen für Blumenkohl und Kopfkohl, für Kohlrabi gelten die Deutschen Handelsklassen. Für Grünkohl bestehen keine Normen - im Handel ist er aber kennzeichnungspflichtig: Ursprungsland, Art des Erzeugnisses, Gewicht und Name des Abpackers sind auszuweisen. In Langförden, der Hochburg für den Grünkohlanbau, sind zwei neutrale Qualitätskontrolleure der Landwirtschaftskammer Weser-Ems tätig, die alle Grünkohlpartien begutachten. Im Vertragsanbau sind Obergrenzen für die Blattrippenanteile (drei Prozent) und gelben Blattanteile (zwei Prozent) festgelegt. Weitere Beurteilungskriterien sind die Eigenschaften gesund, sauber, frisch, frei von fremdem Geruch und Geschmack sowie frei von anomaler äußerer Feuchtigkeit.
Quelle: Landwirtschaftskammer Weser - Ems
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