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Quelle: Landwirtschaftskammer Weser-Ems
Nun werden sie wieder geplant, die in unserer Heimat so beliebten Kohlfahrten. Ob im Freundes- oder Kollegenkreis, ob im Verein oder in der Straßengemeinschaft, Festausschüsse sind meistens schon gebildet und beauftragt, die Kohlpartien dieses Winterhalbjahres vorzubereiten. Daß diese Form der Geselligkeit rund um den Kohl auch schon um 1800 in der Stadt Oldenburg sehr beliebt war, diese Überlieferung verdanken wir H. A. Spieske, der in seinem 1876 erschienenen Buch ,,Aus Oldenburgs glücklichen und unglücklichen Tagen" ein Porträt seiner Heimatstadt zeichnet und seine Jugenderlebnisse schildert. In diesem Buch ist auch ein kleines Kapitel aufgezeichnet über Kohlpartien um 1800.
"Hielt der Frost länger an, so verabredeten sich wohl die Honoratioren zu einer Partie aufs Land, meldeten sich bei einem wohlhabenden Landmann (Bödeker in Mansholt, Ovie zu Gristede u. a) auf den folgenden Tag zu einem "langen Kohl" an und wurden dann in dem nach Bauernmanier aufgeputzten Hause festlich empfangen. In der Mitte des Hauses waren lange Bretter auf Böcke gelegt, mit weißen Tischtüchern bedeckt; die Ehrenplätze wurden aus gefüllten Kornsäcken drei aufeinander, gebildet; die Hausfrau hatte den Kohltopf mit Schinken, halbem Schweinskopf und Mettwurst zu Feuer gebracht, und dann auf den Klang des Posthorns gehorcht. Denn ein solcher Zug hatte einen Vorreiter, und wenn der sich hören ließ, standen der Hausherr und die Frau mit ihrem Volk vor der Türe und riefen Willkommen!
Dann wurden die Gäste in die Stübe geführt, wo schon eine Kanne mit heißer Milch für die Damen und eine Flasche mit deutschem Kornbranntwein für die Herren bereitstand; die Pferde wurden mit Decken behangen und in den Stall geführt.
Auf dem großen Tische stand für jeden Gast ein blankgeputzter zinnerner Teller, an beiden Enden des Tisches ein hausbackenes Brot, ein Teller voll Butter und ein ganzer Käse, mehr zum Staat als zum Essen. Die Hausfrau brachte zwei bis drei große Kummen mit Kohl, so fett, daß er nicht mehr dampfte, ein großes Stück geräuchertes Rindfleisch, Schinken, Wurst und Schweinskopf schmückten die Tafel. Dann war tüchtig eingehauen, der Bierkrug fehlte auch nicht, und zur Freude des Wirts sagten alle: "Es bleibt doch wahr, der Kohl schmeckt auf dem Lande immer besser als in der Stadt!"
Nach dem Tisch wurde Kaffee getrunken, bis es Zeit zum Anspannen war. Von Bezahlung war keine Rede, das hätte den Hausherrn beleidigt, der den Besuch für eine große Ehre hielt; aber es wurde eine kleine Summe zusammengelegt und der Hausfrau überreicht, um sie unter die Dienstboten zu verteilen. Dann ging die Fahrt im Jubel wieder zur Stadt zurück, und noch lange wurde von solcher Kohlpartie gesprochen."
Quelle: Landwirtschaftskammer Weser - Ems
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